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  Winterdienst und die Unvernunft der Autofahrer  

 

Von Peter Astashenko  |  24.01.2004  | 
Schnee-Schlacht
Winterdienst und die Unvernunft der Autofahrer
Windischeschenbach. 350 PS, ein Cockpit wie im Flugzeug. Keiner traut sich überholen und per Knopfdruck hat man die Möglichkeit, andere Autofahrer zu ärgern. Ein Männertraum? James Bonds neuer Wagen? Die neueste Entwicklung edelster Autobauer? Nicht ganz. Eher ein Schneepflug der Autobahnmeisterei.


 

Straßenwärter Klaus Bauer an seinem Winter-Arbeitsplatz: Hinter dem Steuer seines Schneepflugs.

Montagabend, 20.30 Uhr, Autobahnausfahrt Mitterteich-Nord. Klaus Bauer drückt den "Joystick" leicht nach vorne. Das fünf Meter breite Schneeräumschild vor dem Laster senkt sich. Der Brummi rollt los, Funken fliegen. Über Funk sagt er dem Kollegen im Pflug vor ihm Bescheid. Während das Radio leise vor sich hin dudelt, fährt das Gespann auf die Autobahn. Bauer kann die Gesichter der Autofahrer nicht sehen, aber er weiß, dass sich nur die wenigsten freuen, einen Schneepflug vor sich zu haben.

Konstant 45 Sachen

Die A93 ist dicht. An den orangen Lastern kommt keiner mehr vorbei. Soll auch keiner. Die Pflüge fahren versetzt, mit 50 Metern Abstand. Dazwischen bildet sich zwangsläufig ein Schneewall. Schon viele Autofahrer haben sich beim Versuch zu überholen in Lebensgefahr gebracht. Diesmal probiert es nur einer.

 

Bild: Astashenko
Die Autobahn ist dicht: Im Gespann sorgen die beiden Schneepflüge dafür, dass die Bahn wieder frei ist. Derweil müssen sich die Autofahrer dahinter gedulden.

Konstant 45 Stundenkilometer zeigt die Tachonadel, während der Truck Unmengen an Schnee auf die Seite schiebt. Ein Display neben dem Straßenwärter zeigt die Salzmenge an: 25 Gramm pro Quadratmeter schleudert der Drehteller am Heck auf die Fahrbahn. Die Autoschlange hinter den Räumfahrzeugen hat jetzt sogar einen Vorteil. Die Autos zermahlen das Salz, es wirkt so schneller.

Bauer ist seit elf Jahren bei der Autobahnmeisterei. Winterdienst sei zwar nicht der angenehmste Teil der Arbeit, aber es gebe Schlimmeres. Gelassen steuert er das riesige Fahrzeug. "Es ist gut, wenn man mehr Abstand halten kann. Da ist es nicht so anstrengend."

Er freut sich, dass ausnahmsweise kein Auto mehr versucht, zwischen den Pflügen durchzukommen. "Wenn sich der erste in der Schlange nicht traut, sind die anderen zwangsläufig auch vernünftig." Es gibt das Gerücht, dass so manch eiliger Autofahrer schon mit Salz "beschossen" wurde. Tatsächlich gibt es eine Funktion, mit der die ausgeworfene Salzmenge schlagartig erhöht werden kann. Sie ist aber dazu da, um besonders glatte Stellen besser zu salzen. Bauer nutzt diese scheinbare "Wunderwaffe" nie. "Unsinnig", sei das. Wenn es einem Autofahrer zu sehr pressiert, schließt er zu seinem Kollegen auf. Ein Durchkommen ist dann nicht mehr möglich. Mit Boshaftigkeit hat das nichts zu tun. Eher mit der Sicherheit der Autofahrer. Nur wenige sind sich der Gefahren beim Überholen bewusst.

 

Schneeräumer3
Edwin Siegl hat den Überblick: Das Wetterradar zeigt ihm, worauf er sich einstellen muss.

21 Uhr: Die Pflüge fahren in den Betriebshof der Meisterei bei Windischeschenbach ein. Salz laden. Der Chef wartet schon. Bauer soll noch mal bis Mitterteich fahren, der Kollege im Süden helfen, zwischen Luhe bis Windischeschenbach. Zwei Räumfahrzeuge sind derweil schon im Norden, zwischen Mitterteich und Marktredwitz im Pendelverkehr unterwegs.

Sieben Tonnen Salz

Schnell sind die sieben Tonnen Salz und 2000 Liter Sole aufgefüllt. Das Räumschild rumpelt, als der Brummi den Hof keine 15 Minuten später wieder verlässt.

Auf dem Weg zurück wird der Straßenwärter nur bis Falkenberg kommen. Zwei Laster sind dort ineinander gefahren. Bauer muss Erste Hilfe leisten und die Unfallstelle sichern - keine ruhige Nacht. Und am nächsten Morgen ist er schon wieder am Schneeräumen - diesmal allerdings vor dem eigenen Grundstück in Neuhaus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

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