Winterdienst kaputtgespart?
21.12.2010
Der Bundesvorsitzende
der VDStra. - Fachgewerkschaft
der Straßen- und
Verkehrsbeschäftigten Siegfried
Damm hat den kommunalen
Politikern große Versäumnisse
bei der Ausstattung des Streu-
und Winterdienstes vorgeworfen.
Obwohl die Straßenwärter
mittlerweile bis zu zwölf
Stunden in ihren Räumfahrzeugen
säßen, hätten die chaotischen
Folgen des Wintereinbruchs mit
endlosen Staus und zahllosen
Unfällen nicht verhindert werden
können.
Damm warf den verantwortlichen
Politikern, den
Straßenverwaltungen, und den
Stadtkreisen und Gemeinden vor,
aus dem vergangenen Winter
nichts gelernt und statt
Vorsorge Personalabbau in
erheblichem Umfang betrieben zu
haben. Auch die Lagerkapazitäten
von Streusalz seien erheblich
reduziert
worden,.kritisierte der Chef der
dbb Mitgliedsgewerkschaft in
einem Interview mit
Deutschlandradio Kultur.
Damm warnte zugleich davor, die
Probleme im Winterdienst mit
Privatisierungen oder
Auftragsvergaben lösen zu
wollen. Das käme den Bürger
letzlich teuerer zu stehen als
eine vernünftige Ausstattung des
öffentlichen Dienstes.
Mehr:
Straßenwärterinnen und
Straßenwärter

POLITIK & WIRTSCHAFT
Straßenwärter fühlen sich von
Politik im Stich gelassen
Der Bundesvorsitzende des
Verbandes Deutscher
Straßenwärter, Siegfried Damm,
wirft den kommunalen Politikern
große Versäumnisse beim Streu-
und Winterdienst vor. Die
Kollegen säßen bis zu zwölf
Stunden in ihren Räumfahrzeugen.
Interview
· 18.12.2010
18.12.2010
· 06:50 Uhr
Autobahnen
werden vorrangig geräumt,
Probleme gibt es vor allem in
den Städten und Gemeinden.
(Bild: AP)
"Winter wird es alle Jahre
wieder"
Straßenwärter fühlen sich von
Politik im Stich gelassen
Siegfried Damm im Gespräch mit
André Hatting
Der Bundesvorsitzende des
Verbandes Deutscher
Straßenwärter, Siegfried Damm,
wirft den kommunalen Politikern
große Versäumnisse beim Streu-
und Winterdienst vor. Die
Kollegen säßen bis zu zwölf
Stunden in ihren Räumfahrzeugen.
André Hatting:
Egal, wo man in Deutschland aus
dem Fenster blickt, es wird
einem weiß vor Augen. Schnee,
wohin man sieht, das gleiche
Bild wie im vergangenen Winter,
auch was die chaotischen Folgen
für den Verkehr betrifft:
Zahlreiche Unfälle landauf,
landab, zwölf Stunden Stau,
mehrere Tote, und immer mehr
Städte melden: Streusalz wird
knapp - jetzt schon, dabei waren
die Schneefälle der vergangenen
Tage erst der Anfang, sagen
Wetterexperten. Am Telefon
begrüße ich Siegfried Damm, er
ist Bundesvorsitzender des
Verbandes Deutscher
Straßenwärter, also derjenigen,
die uns vom Schnee befreien
sollen, 26.000 sind das
bundesweit. Guten Morgen, Herr
Damm!
Siegfried Damm: Schönen
guten Morgen!
Hatting: Herr Damm, dass
es auch in diesem Winter
schneien würde, war klar,
vielleicht auch die Heftigkeit
wenig überraschend, Stichwort
Klimawandel. Wieso haben wir
trotzdem schon wieder dieses
Verkehrschaos? Nichts gelernt?
Damm: Ja, nichts gelernt
- diese Frage möchte ich gerne
an die verantwortlichen
Politiker und vor allen Dingen
an die Straßenverwaltungen, an
die Städtekreise und Gemeinden,
an die Verantwortlichen
zurückgeben. Denn Winter wird es
alle Jahre wieder, wie Sie schon
sagen, und von daher gesehen ist
aufgrund des vorangegangene
Personalabbaus in erheblichem
Umfang natürlich die
Personalkapazität irgendwo auch
erschöpft. Und darüber hinaus
sind neben dem Kürzung von
Personal Lagerkapazitäten von
Streusalz ja auch erheblich
reduziert worden, sodass
natürlich dann es sich
irgendwann einstellt, dass was
fehlt.
Hatting:
Bundesverkehrsminister Ramsauer
hat aber doch versprochen, dass
in diesem Jahr es keine
Streusalzknappheit geben werde.
Fühlen Sie sich von der Politik
im Stich gelassen?
Damm: Von der Politik im
Stich gelassen dahingehend, dass
natürlich die Umsetzung
letztendlich fehlt bis ins
letzte Detail hinein, das heißt,
die Bundes-, Landes- und
Kreisstraßen, ja, auch die
Bundesautobahnen werden zwar
vorrangig betreut, aber bei den
Städten, Kreisen und Gemeinden
als solches herrscht schon
Mangel.
Hatting: Sie haben auch
den Personalmangel angesprochen.
Brauchen wir so etwas wie eine
nationale Räumreserve auf
Zeitarbeitsbasis. Denn ich
meine, ich frage mich, was
machen wir im Sommer mit den
Kollegen?
Damm: Also auf
Zeitarbeitsbasis brauchen wir
sicherlich keine entsprechenden
Vorkehrungen zu treffen, sondern
wir müssen dafür Sorge tragen,
dass im Zuge der Daseinsvorsorge
dafür gesorgt wird, dass eben
genügend Personal zur Verfügung
steht, weil durch die Mängel an
Verkehrs-, die Mängel an
Verkehrssicht und vor allen
Dingen am Schwerverkehr als
solches ist es voraussehbar,
dass entsprechendes Personal
benötigt wird, was gut
ausgebildet und qualifiziert wie
der Straßenwärter letztendlich
ist. Das wird gebraucht.
Hatting: Beschreiben Sie
jetzt mal so eine Schicht. Wie
lange sitzen die Kollegen in den
Schneeräumfahrzeugen?
Damm: Ja, die Kollegen
sitzen zu lange an den
Schneeräumfahrzeugen, weil wie
gesagt zu wenig Personal da ist,
aber in aller Regel sind sie
rund um die Uhr, entweder in
Schichtdiensten, oder halt eben
über Rufbereitschaft, sodass sie
abgerufen werden können, um bis
zu zwölf Stunden zum Teil dann
hinterm Steuer zu sitzen. Das
ist eindeutig zu lang. Mit mehr
Personal würde es besser gehen.
Hatting: Der schon
angesprochene
Bundesverkehrsminister Peter
Ramsauer hat im Frühjahr 100
Millionen Euro bereitgestellt
als Soforthilfe zur Beseitigung
von Winterschäden auf Autobahnen
und Bundesstraßen. Hat das was
genützt?
Damm: Das hat sicherlich
etwas genützt, aber noch länger
nicht an allen Stellen, die es
nötig hätten unterm Strich. Ich
denke, hier ist noch mehr zu tun
in dieser Richtung, weil die
Straßen und Autobahnen natürlich
einmal durch den Winter in
Mitleidenschaft gezogen werden,
aber auch darüber hinaus
natürlich durch den Verkehr,
insbesondere den Schwerverkehr.
Hatting: Was müsste noch
getan werden?
Damm: Ja, es müsste mehr
zur Verfügung gestellt werden
dahingehend, und vor allen
Dingen müsste nicht in Richtung
einer Privatisierung gedacht
werden, wo andere Geld
verdienen, sondern dieses Geld
könnte der Staat günstiger für
die Verkehrsteilnehmer, für die
Bürger verwenden und dieses
entsprechend einsetzen.
Hatting: Sie sprechen
eine Privatisierung an. Ist das
schon der Fall, werden viele
Unternehmen privatisiert?
Damm: Es werden zumindest
mal einzelne Streckenabschnitte
auf den Autobahnen privatisiert
über sogenannte ÖPP- oder
PPP-Modelle als solche.
Hatting: Was ist das
genau?
Damm: Das sind Modelle,
wo der Staat über 30 Jahre
hinaus sich bindet an private
Unternehmer, und diesen die
LKW-Maut oder einen Teil der
LKW-Maut zukommen lässt, um dann
entsprechend die Straßen wieder
zu übernehmen. Aber Tatsache ist
nun mal, dass es unterm Strich
jedenfalls teurer wird nach
unserer Auffassung, und bisher
mit keinem Cent oder Euro
bewiesen worden ist, dass es
kostengünstiger wird für den
Bürger, für den
Verkehrsteilnehmer und damit
Steuerzahler.
Hatting: Das eine ist die
Räumung, für die Sie zuständig
sind, das andere ist das
Verhalten der Autofahrer. Ärgert
Sie das manchmal, gerade im
Winter?
Damm: Ja, natürlich
ärgern uns auch die Autofahrer.
Umgekehrt ist es sicherlich
genauso, dass die sich über uns
ärgern, aber wir bemühen uns
nach besten Kräften rund um die
Uhr eben dafür zu sorgen, dass
die Straßen und Autobahnen
verkehrssicher sind und
jederzeit befahrbar sind.
Hatting: SPD und Grüne
haben jetzt einen Vorschlag ins
Spiel gebracht, nämlich die
Schneekettenpflicht für LKW.
Halten Sie das für vernünftig?
Damm: Ich halte das für
vernünftig, zumindest mal in
Berg- und Steigungsstrecken oder
dort, wo es auch bekannt ist,
dass es also zu winterlichen
Beeinträchtigungen kommen kann,
da ist es durchaus sehr
vernünftig.
Hatting: Vielen Dank, das
war ein Gespräch mit Siegfried
Damm, er ist Bundesvorsitzender
des Verbandes Deutscher
Straßenwärter. Mit ihm sprachen
wir über das Verkehrschaos durch
das Wetter, und was dagegen
unternommen werden kann. |