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Ob Pflastern, Mauern oder Schilder aufstellen – einen ganzen Tag
mussten 43 Straßenwärterlehrlinge in Tribsees ihre
praktischen Fertigkeiten unter Beweis stellen. Gestern erhielten
40 von ihnen ihre Abschlusszeugnisse.
Tribsees „So Kollegen, Nummer 31 bis
43 pflastern!“ Als der Ruf des Prüfers ertönt, geht es in der
Halle des Tribseeser Berufsbildungsvereins am Grammendorfer Weg
zu wie in einem Taubenschlag. Jeder sucht seinen Platz: einen
großen Steinhaufen.
Wenige Minuten später sind die
angehenden Straßenwärter in Aktion. Die mit knallorangenen Hosen
und Westen bekleideten Prüflinge messen eine 1,44 x 2 Meter
große Fläche aus. Schon ist die Straßenbauerei im Gange.
Gehwegplatten, Borde, Schlackensteine, Natur- und
Verbundsteinpflaster – alles exakt nach Vorgabe verlegen. Und
das in zwei Stunden.
„So ist das nicht schwer, aber die Zeit
ist zu kurz“, sagt Martin Scheffert. Der 20-jährige Blondschopf
mit Nickelbrille hat diesen Part schon hinter sich, wartet auf
den nächsten Einsatz. Vor der Halle ist eine Hausecke zu
mauern – ebenfalls in zwei Stunden.
Neben ihm eine junge Frau, Anniko Kahl.
„Im Büro sitzen, ist nicht mein Ding. Ich wollte immer schon
draußen arbeiten“, erklärt die 20-Jährige aus der Nähe von
Sternberg, warum sie sich gerade für diesen Beruf entschieden
hat. „Der Anfang war schon hart.“ Heute mache ihr Schleppen
schwerer Borde nichts mehr aus.
Sechs Frauen stehen unter den
43 Prüflingen ihren Mann. Während Anniko Kahl sorgsam
Mauersteine aufeinander schichtet, schwitzen andere beim dritten
Prüfungsblock: Straßenunterhaltung. Schilder aufstellen,
Leitpfosten setzen, Baumaterialien bestimmen, eine Motorsäge
auseinander- und zusammen montieren...
Dreimal zwei Stunden unter den
kritischen Augen der insgesamt zehn Prüfer arbeiten, dazwischen
jeweils eine Stunde Pause – den ganzen Donnerstag zieht sich
die sogenannte Fertigkeitsprüfung hin. Was
für zusätzliche Nervosität sorgt: Keiner weiß, ob er die Theorie
bestanden hat, die im Mai in Neustrelitz absolviert wurde.
Noch am gleichen Abend gibt es bei
40 Kandidaten das große Aufatmen. Prüfung bestanden, es darf am
nächsten Tag gefeiert werden. Gestern mittag: Festakt im Haus
des Berufsbildungsvereins. Als die Straßenwärter nach
dreijähriger Ausbildung ihre Abschlusszeugnisse erhalten, ist
hoher Besuch von der Partie: Wennemar Gerbens, Leiter des
Landesamtes für Straßenbau, sowie der Bundesvorsitzende des
Verbandes der Straßenwärter, Siegfried Damm.
Auch wenn es im Gegensatz zu den
Vorjahren keine Einsen gibt, ist Jörg Leesch, Ausbildungsleiter
in Tribsees, zufrieden. Ein Drittel der Kandidaten erhält die
Gesamtnote 2, die meisten anderen die 3. Die Durchfaller patzten
nicht in der Praxis, sondern in der Theorie.
Die Frauen können übrigens wieder
einmal besonders stolz auf sich sein. Anniko Kahl gehört in der
Gesamtwertung mit einer Quote von 86,9 Prozent zu den besten,
Nicole Stey vom Straßenbauamt Stralsund ist bei der Praxis mit
94 Prozent gar die Nummer 1.
Tribsees ist seit Jahren so etwas wie
die Kaderschmiede der vier Straßenbauämter des Landes. Doch in
puncto Übernahme sieht es dieses Jahr nicht mehr ganz so gut
aus. 18 werden übernommen, bestätigt Prüfungsvorsitzender Klaus
Stenzel. Auch Anniko Kahl hat einen Arbeitsvertrag in der
Tasche, allerdings erst einmal für sechs Monate. Sie ist
demnächst im Auftrag der Autobahnmeisterei Upahl in
Westmecklenburg auf Achse.
CHRISTOPH HOHLFELD
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