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Wochenendausgabe, 30./31. August 2003  

   
 

Prüfungsstress mit Borden und Schlackensteinen

40 junge Straßenwärter sind jetzt fit fürs Berufsleben

Ob Pflastern, Mauern oder Schilder aufstellen – einen ganzen Tag mussten 43 Straßenwärterlehrlinge in Tribsees ihre praktischen Fertigkeiten unter Beweis stellen. Gestern erhielten 40 von ihnen ihre Abschlusszeugnisse.

Tribsees „So Kollegen, Nummer 31 bis 43 pflastern!“ Als der Ruf des Prüfers ertönt, geht es in der Halle des Tribseeser Berufsbildungsvereins am Grammendorfer Weg zu wie in einem Taubenschlag. Jeder sucht seinen Platz: einen großen Steinhaufen.

   Wenige Minuten später sind die angehenden Straßenwärter in Aktion. Die mit knallorangenen Hosen und Westen bekleideten Prüflinge messen eine 1,44 x 2 Meter große Fläche aus. Schon ist die Straßenbauerei im Gange. Gehwegplatten, Borde, Schlackensteine, Natur- und Verbundsteinpflaster – alles exakt nach Vorgabe verlegen. Und das in zwei Stunden.

   „So ist das nicht schwer, aber die Zeit ist zu kurz“, sagt Martin Scheffert. Der 20-jährige Blondschopf mit Nickelbrille hat diesen Part schon hinter sich, wartet auf den nächsten Einsatz. Vor der Halle ist eine Hausecke zu mauern – ebenfalls in zwei Stunden.

   Neben ihm eine junge Frau, Anniko Kahl. „Im Büro sitzen, ist nicht mein Ding. Ich wollte immer schon draußen arbeiten“, erklärt die 20-Jährige aus der Nähe von Sternberg, warum sie sich gerade für diesen Beruf entschieden hat. „Der Anfang war schon hart.“ Heute mache ihr Schleppen schwerer Borde nichts mehr aus.

   Sechs Frauen stehen unter den 43 Prüflingen ihren Mann. Während Anniko Kahl sorgsam Mauersteine aufeinander schichtet, schwitzen andere beim dritten Prüfungsblock: Straßenunterhaltung. Schilder aufstellen, Leitpfosten setzen, Baumaterialien bestimmen, eine Motorsäge auseinander- und zusammen montieren...

   Dreimal zwei Stunden unter den kritischen Augen der insgesamt zehn Prüfer arbeiten, dazwischen jeweils eine Stunde Pause – den ganzen Donnerstag zieht sich

die sogenannte Fertigkeitsprüfung hin. Was für zusätzliche Nervosität sorgt: Keiner weiß, ob er die Theorie bestanden hat, die im Mai in Neustrelitz absolviert wurde.

   Noch am gleichen Abend gibt es bei 40 Kandidaten das große Aufatmen. Prüfung bestanden, es darf am nächsten Tag gefeiert werden. Gestern mittag: Festakt im Haus des Berufsbildungsvereins. Als die Straßenwärter nach dreijähriger Ausbildung ihre Abschlusszeugnisse erhalten, ist hoher Besuch von der Partie: Wennemar Gerbens, Leiter des Landesamtes für Straßenbau, sowie der Bundesvorsitzende des Verbandes der Straßenwärter, Siegfried Damm.

   Auch wenn es im Gegensatz zu den Vorjahren keine Einsen gibt, ist Jörg Leesch, Ausbildungsleiter in Tribsees, zufrieden. Ein Drittel der Kandidaten erhält die Gesamtnote 2, die meisten anderen die 3. Die Durchfaller patzten nicht in der Praxis, sondern in der Theorie.

   Die Frauen können übrigens wieder einmal besonders stolz auf sich sein. Anniko Kahl gehört in der Gesamtwertung mit einer Quote von 86,9 Prozent zu den besten, Nicole Stey vom Straßenbauamt Stralsund ist bei der Praxis mit 94 Prozent gar die Nummer 1.

   Tribsees ist seit Jahren so etwas wie die Kaderschmiede der vier Straßenbauämter des Landes. Doch in puncto Übernahme sieht es dieses Jahr nicht mehr ganz so gut aus. 18 werden übernommen, bestätigt Prüfungsvorsitzender Klaus Stenzel. Auch Anniko Kahl hat einen Arbeitsvertrag in der Tasche, allerdings erst einmal für sechs Monate. Sie ist demnächst im Auftrag der Autobahnmeisterei Upahl in Westmecklenburg auf Achse.

CHRISTOPH HOHLFELD

 


 

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