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Sonntag, 14. September 2003
Pinneberg
Sie putzen zum Wohle der Autofahrer
Service: Acht Straßenwärter pflegen das 98 Kilometer lange Netz der Kreisstraßen.

Von Manfred Augener

Tangstedt/Pinneberg - Auf dem Unimog zucken orange Warnlichter, der Lärm ist ohrenbetäubend. Buschwerk und Gras wird "platt gemacht", Staubwolken wirbeln empor. Vorsichtig manövrieren Michael Franke und Johann Bawohl das Fahrzeug mit den stählernen Auslegern an der Bankette der Kreisstraße zwischen Tangstedt und Hasloh entlang. Die beiden Straßenwärter sorgen dafür, dass der Bewuchs am Straßenrand sich in Grenzen hält und die Autofahrer wieder freie Sicht auf die Reflektoren der Begrenzungspfosten haben.

Franke und Bawohl gehören zum achtköpfigen Team der Straßenwärter im Bauhof der Kreisverwaltung. Sie sorgen dafür, dass das 98 Kilometer lange Kreisstraßennetz und das dazugehörige 80 Kilometer lange Radwegenetz das ganze Jahr über tipp-topp in Ordnung sind. Vor allem im Winter kein leichter Job. Nach Absprache mit der Polizei rücken die Straßenwärter, zu denen seit kurzem eine Auszubildende gehört (wir berichteten), bis 21 Uhr abends und morgens ab 4 Uhr aus, um "ihre" Straßenabschnitte schnee- und eisfrei zu machen.

Im Sommer, erzählt Bauhofchef Gerhard Higgen, steht die Instandhaltung der Kreisstraßen im Vordergrund. Dazu zählen beispielsweise Asphaltausbesserung sowie die Reinigung von Gullys, Leitpfosten und Verkehrsschildern oder auch das Abtragen von Banketten. Die Straßenwärter räumen Gräben, entleeren Siele, schneiden "kritischen" Baumbewuchs ab und beseitigen Ölunfälle.

Doch die orangefarbenen Einsatzfahrzeuge sind auch bei Kontrollfahrten unterwegs. So werden 15 so genannte Durchlässe und Brücken auf den Kreisstraßen regelmäßig kontrolliert und kleinere Reparaturen vorgenommen, ebenso bei den Leitplanken und 22 Ampeln.

Eine neue Aufgabe der Straßenwärter ist das Ausbaggern der Gräben, um bei starkem Regen Rückstaus und Überschwemmungen zu vermeiden. Auch die Unterhaltung des Radwegenetzes ist unverzichtbar. Insbesondere bessern die Straßenwärter von Baumwurzeln verursachte Asphaltschäden aus, um Unfälle von Fußgängern und vor allem Radfahrern zu verhindern. Hier habe sich der Ersatz des Asphaltes mit Pflastersteinen bewährt, erläutert Higgen, unter anderem aus Kostengründen. Eine Idee der Bauhofmitarbeiter, die vom Straßenbauamt übernommen wurde.

Es gibt genug zu tun - und doch geht die allgemeine Privatisierungsdebatte nicht spurlos an den beim Kreis beschäftigten Straßenwärtern vorbei. Laut Kreistagsbeschluss vom Mai dieses Jahres ist auch für den Bauhof eine mögliche Privatisierung zu überprüfen. Dem Vergleich mit der freien Wirtschaft sieht Gerhard Higgen allerdings gelassen entgegen. "So günstig wie wir kann kein Privater diese Aufgaben erledigen." Erste Erfahrungen haben das Selbstbewusstsein des Teams gestärkt. So war der Winterdienst drei Jahre lang an ein Privatunternehmen vergeben. Doch die private Konkurrenz warf das Handtuch, nicht zuletzt auf Grund fehlender Flexibilität bei den Arbeitszeiten. Michael Zisack, Leiter des zuständigen Kreis-Fachdienstes Straßenbau und Verkehrssicherheit, erklärte, dass eine so genannte Wirtschaftlichkeitsüberprüfung für das nächste Jahr vorgesehen sei. Dann lägen alle Zahlen vor.

Allerdings schaut das Team bereits in die Zukunft, könnte auf Grund der guten technischen Ausstattung durchaus selbst Aufgaben von Städten und Gemeinden auf deren Straßennetz übernehmen. "Das Know-how liegt bei uns", sagt Zisack. Es gebe bereits Anfragen von Gemeinden wie etwa Haseldorf, in erster Linie in Sachen Winterdienst. Bevor sich die durch die Bank klammen Gemeinden teure Maschinen kaufen, sollten sie das Angebot der Experten vom Kreis nutzen.

Bauhof-Leiter Higgen nutzt die Gelgegenheit zu einem Appell an die Autofahrer: "Bitte langsam fahren, wo die Straßenwärter an der Arbeit sind!" Immer wieder gebe es Raser, die trotz des Tempolimits an den Arbeitern vorbeibretterten.

erschienen am 4. Sep 2003 in Pinneberg

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