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  Lebensretter in der Not  

Ein Mann und seine Kollegen retten einem Autofahrer das Leben.

Lesen Sie, wie man sich im Notfall richtig verhält.

Sonntag, 30.Januar 2001, kurz vor sieben Uhr morgens. Die Nachtschicht der Autobahnmeisterei Kamen bereitet sich nach einem langen Wochenenddienst auf den freien Tag vor. Das Werkzeug ist bereits weggeräumt, die Fahrzeuge stehen in der Garage. Plötzlich reißt ein gewaltiger Knall ein Loch in die Stille.

„Es klang, als wenn ein riesiger Container von einem Lkw gefallen wäre“, erinnert sich Straßenwärter Tobias Atdorf an die Schrecksekunde. Schnell eilen er, seine Kollegen Reiner Dunker und Mathias Kucklinski sowie der zufällig anwesende „gelbe Engel“ vom ADAC, Jürgen Sommerlich, in Richtung Autobahn. Dort, in Nähe der Autobahnmeisterei zwischen dem Kamener Kreuz und dem Autobahnkreuz Dortmund/ Unna, bietet sich ihnen ein gespenstisches Bild.

„Wo wir auch hinschauten, überall sahen wir meterhohe Flammen“, berichtet der 24-Jährige. Ein Pkw ist auf der A1 in die Leitplanken gefahren und brennt lichterloh. Vor dem Fahrzeug liegen zwei junge Männer, die durch den Aufprall herausgeschleudert wurden. Beide sind schwer verletzt. Um sie herum breitet sich das Feuer aus, das durch das auslaufende Benzin immer neue Nahrung findet. „Gott sei Dank hatten wir Feuerlöscher dabei. Damit haben wir die größten Brandherde am Fahrzeug eindämmen können“, erklärt Tobias Atdorf.

Auf dem Rücksitz des Autowracks sitzt noch ein Menschregungslos, obschon das Feuer bereits an seiner Kleidung frisst. Er ist nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft in Sicherheit zu bringen. Beherzt packen die Helfer zu, brechen die Heckklappe des VW Polo auf und ziehen den jungen Mann aus den Flammen – eine Aktion, bei der sie das eigene Leben riskieren.

Und dennoch ist Atdorf froh darüber, dass er so uneigennützig gehandelt hat. Immerhin haben er und seine Kollegen einem Menschen das Leben gerettet. „Das ist ein schönes Gefühl und macht stolz.“ Umso schwerer fällt es ihm, Verständnis für diejenigen aufzubringen, die auch bei diesem Unfall wieder untätig zugesehen und andere Menschen in ihrer Not alleine gelassen haben – Gaffer eben.

Ihm und seinen Kollegen hat die bewiesene Zivilcourage auch hohes Lob eingebracht. Alle vier Lebensretter erhielten die Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen, überreicht durch NRW-Innenminister Dr. Fritz Behrens. Von den aus Iserlohn stammenden Unfallopfern dagegen, die den Unfall alle über-lebten, hat Tobias Atdorf nie wieder etwas gehört. Weder Lob noch Dank. Und dennoch, so versichert er glaubhaft, „würde ich alles wieder genauso machen, wie ich es in der Unfallnacht gemacht habe“.

Rolf Müller-Wondorf

(Tatort Kamener Kreuz: Ohne spontane Hilfe wäre ein Mann im Auto verbrannt.)

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