In Mitteleuropa sind die häufigsten durch
Zeckenstiche übertragenen Krankheiten die Borreliose und die FSME. Ca.
30 - 50 % der Zecken sind Überträger für die Borreliose, ca. 0,01 - 1
% für FSME. In Deutschland erkranken jährlich ca. 60.000 Menschen an
einer Borreliose und ca. 250 an einer FSME.
Zecken befinden sich in Höhen bis zu 2.000 m in Wald und Flur. Die
Zecken werden vom Menschen von Pflanzen abgestreift. Sie sind
hauptsächlich in den Monaten März bis September aktiv, jedoch auch an
warmen Vorfrühlings- oder Spätherbsttagen. Nur ca. zwei Drittel aller
Zeckenstiche werden bemerkt. Das Nichtbemerken schließt eine
Erkrankung deswegen nicht aus!
FSME
Die FSME (Frühsommermeningoencephalitis) ist
eine Viruserkrankung. Die Viren sitzen in den Speicheldrüsen der
befallenen Zecken und gelangen praktisch sofort nach einem Stich in
den menschlichen Körper.
Vorkommen
Fast im gesamten Süddeutschland sowie Österreich und östliches Europa
ist die FSME verbreitet. Genaue Karten mit den betroffenen Gebieten
finden sich im Internet auf der Homepage des Robert Koch-Institutes
unter www.rki.de. Allerdings lässt sich auch in Regionen, die
bisher als FSME-frei galten, eine Infektion nicht mit Sicherheit
ausschließen. Das gilt besonders für Regionen, die an Risikogebiete
grenzen.
Erkrankungsverlauf
Etwa 7 Tage nach dem Stich treten grippeähnliche Symptome auf. Nach
einer beschwerdefreien Zeit von ca. 1-20 Tagen tritt dann bei einem
Drittel der Erkrankten die 2. Erkrankungsphase mit einer Hirnhaut-
oder gar Gehirnentzündung auf. Nervenlähmungen können auftreten. Bei
ca. 10 % der Erkrankten bleiben dauerhafte und z.T. sehr ausgeprägte
Schäden zurück, 1 - 2 % sterben.
Therapie, Impfung
Es gibt keine Therapiemöglichkeit, jedoch eine Impfung zur Vorbeugung.
Die heutigen Impfstoffe sind wesentlich besser verträglich als die
alten. Das Impfschema ist wie folgt:
erste Impfung am Tag 0
zweite Impfung 3 Wochen
später
dritte Impfung 9-12
Monate nach der ersten.
Auffrischung nach 3
Jahren notwendig
Es gibt jedoch Hinweise, dass ein Abstand von 5 Jahren ausreichend
ist; in Österreich wird bereits so geimpft.
Jeder Zeckenstich, der während der Arbeit erfolgt, muss im Verband-
oder Fahrtenbuch dokumentiert werden. Dieser Nachweis ist wichtig,
wenn im Erkrankungsfall die Frage gestellt wird, ob es sich um eine
Berufskrankheit handelt oder nicht.
Borreliose
Die Borreliose ist eine durch Bakterien
hervorgerufene Erkrankung. Die Bakterien halten sich v.a. im Darm der
befallenen Zecke auf und werden meist erst 12 - 24 Stunden nach dem
Stich übertragen. Wird die Zecke frühzeitig, z.B. am Arbeitsende,
entdeckt und entfernt, kann in den meisten Fällen eine Infektion
verhindert werden.
Vorkommen
In allen Regionen Deutschlands und Österreichs sowie in vielen
europäischen Regionen kommt die Borreliose vor.
Erkrankungsverlauf
Es können verschiedene Krankheitsstadien auftreten, die zum Teil
ineinander übergehen und auch nebeneinander auftreten. Am Anfang
finden sich oft grippeähnliche Symptome. Innerhalb von Wochen bis
Monaten nach dem Zeckenstich können Herz, Gelenk, Haut und Nevensystem
befallen werden.
Bei ca. 60 % der an Borreliose Erkrenakten tritt frühestens 3 - 5 Tage
nach dem Zeckenstich eine relativ scharf begrenzte, runde Hautrötung,
die sog. Wanderröte (Erythema migrans) auf, die praktisch
beweisend für eine Borreliose ist. Das Fehlen einer Wnderräte jedoch
schließt eine Borreliose nicht aus! Die häufig direkt oder kurzfristig
nach einem zeckenstich auftretenden kleine, oft juckende Hautrötung
(vergleichbar wie nach einem Mückenstich) hat nichts mit einer
Wanderröte zu tun.
Therapie, Impfung
Die Borreliose ist immer mit einem Antibiotikum zu behandeln, um
mögliche chronische Borrelioseschäden zu verhindern. Eine Behandlung
mit Antibiotika ist dann zwar noch möglich, aber schwieriger. Eine
Impfung gegen die Borreliose gibt es nicht.
Schutzmaßnahmen
Vermeiden von Zeckenstichen
Kleidung: Geschlossene Schuhe, langärmelige Oberbekleidung,
lange Hose sowie über die Hosenbeine gezogene Strumpfenden. Zecken abhaltende Mittel: Die Stiftung Warentest hat 2001
Mittel zum Einreiben gegen Zecken getestet. Die drei mit "Gut"
bewerteten Mittel gegen Zeckenstiche waren "Zanzarin Bio-Hautschutz
Lotion", Nexa Lotte natur Hauschutz-Milch" (Wirkstoff jeweils
Kokosfettsäuren) sowie "Autan Active Lotion" (Wirkstoff Bayrepel®).
Die Wirksamkeit der Mittel war auf maximal 4-6 Stunden begrenzt.
Entfernen der Zecke
Spätestens am Arbeitsende, besser zusätzlich schon in der Mittagspause
ist der Körper nach Zecken abzusuchen. Bevorzugt betroffene
Hautpartien sind der behaarte Kopf, Arm- und Kniebeugen, Achselhöhlen
und Leistengegend. Die Zecke ist so nahe wie möglich an der Haut mit
einer Pinzette oder den Fingernägeln zu ergreifen und herauszuziehen,
ohne sie zu knicken oder zu zerquetschen. Danach ist die
Einstichstelle zu desinfizieren.
Verbleiben noch Zeckenteile in der Haut, sollten diese baldmöglichst
entfernt werden. Kommt es zu einer Entzündung, muss ein Arzt
aufgesucht werden. Auf keinen Fall dürfen Öle, Klebstoffe oder
ähnliches benutzt werden, da die Zecken dann noch mehr Erreger in den
Menschen ausschütten. Erste positive Erfahrungen liegen auch mit der
Anwendung von Vereisungsspray vor, welches auf die Zecke gesprüht wird
und die Zecke zum Loslassen veranlassen soll.
FSME-Impfung
Relevant ist die Impfung in den betroffenen Gebieten für Forstwirte,
Straßenwärter, Gärtner, Förster, Landschaftspfleger, Bedienstete der
Katasterämter, Landwirte, also für Personen, die sich beruflich in der
freien Natur aufhalten (besonders an Waldrändern, in hohen Wiesen, in
Buschwerk). Mitarbeiter, die Interesse an einer FSME-Impfung haben,
können sich bei ihrem Hausarzt impfen lassen oder sich mit ihrem
zuständigen B•A•D-Zentrum in Verbindung setzen. Hier erfolgen die
Impfungen nach der Klärung der Kostenübernahme durch den Arbeitgeber
im Rahmen der allgemeinen arbeitsmedizinischen Betreuung.