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Gefahren auch für Straßenwärter:
RAUPEN
ALS KRANKHEITSERREGER

Eichenprozessionsspinnerraupen
Die nicht giftigen Seidenhaare verleihen den Raupen ihr
charakteristisches Aussehen, die Gifthaare sind auf der Aufnahme nicht
zu erkennen
Das
wichtigste in Kürze
Seit Beginn der Neunziger Jahre des vergangenen
Jahrhunderts sucht der Eichenprozessionsspinner, ein Forstschädling, der
Eichen und Weißbuchen befällt, die Randbezirke von Wien heim. Die Larven
des Eichenprozessionsspinners tragen Gifthaare, die auf der Haut und an
den Schleimhäuten toxische und/oder allergische Reaktionen hervorrufen.
Die Beschwerden reichen von heftig juckenden Hautausschlägen
(Raupendermatitis) bis zu Asthmaanfällen. Da die mikroskopisch kleinen
Gifthaare bis zu hundert Meter weit mit dem Wind vertragen werden
können, stellen sie eine wichtige, bis jetzt allerdings wenig beachtete
Ursache einer luftübertragenen Krankheit dar.
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INFO
ÜBER DEN EICHENPROZESSIONSSPINNER
Ein Forstschädling breitet sich aus
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumatopoea processionea Linnaeus) ist
ein Forstschädling, der in Mitteleuropa beheimatet ist und auf Eichen
und (seltener) auf Buchen lebt. Unter besonderen Umweltbedingungen
(warme, trockene Winter) kann es zur Massenvermehrung des
Forstschädlings kommen. In Österreich wurde die erste Massenvermehrung
in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts beobachtet.
Seit dem Anfang der 1990iger Jahre ist wieder eine Massenvermehrung des
Eichenprozessionsspinners in Wien zu beobachten. Diese hat 2004 ein sehr
großes Ausmaß erreicht. Waren in den vergangenen Jahren nur die
westlichen Wiener Gemeindebezirke betroffen, hat sich der Schädling 2004
weiter nach Osten ausgebreitet.
Es ist damit zu rechnen, dass dieses Massenphänomen noch mehrere Jahre
anhalten wird. Erst die Verschlechterung der Lebensbedingungen (Klima)
führt wieder zu einem Rückgang der Eichenprozessionsspinner-Population.
Bäume am Waldrand werden befallen
Durch das Verhalten des Eichenprozessionsspinners, Bäume am Waldrand und
einzeln stehende Bäume auch in Wohngebieten zu befallen, ist die
Wahrscheinlichkeit groß, dass Menschen mit den Gifthaaren in Kontakt
kommen.
Gefahr beim Spazierengehen und bei der
Arbeit
Besonders betroffen sind Spaziergänger und Ausflügler
(Kindergartengruppen und Schulklassen), sowie Personen, die sich
berufsbedingt in den Wäldern, Parkanlagen und Gärten aufhalten (Straßenwärter,Gärtner,
Förster) oder an der Bekämpfung des Schädlings mitwirken (Mitarbeiter
von Insektenbekämpfungsunternehmen, Feuerwehr).
Mit den Blättern der Eiche kommen auch die
hungrigen Larven
Der Lebenszyklus der Schädlinge ist hervorragend an den Wirtsbaum
angepasst. Die Eigelege finden sich an kleinen Ästen in der Baumkrone
und sind so gut getarnt, dass sie vom Boden aus praktisch nicht entdeckt
werden können. Ende April bis Anfang Mai schlüpfen die Larven
gleichzeitig mit dem Austreiben der Blätter. Die Larven leben in großen
Kolonien und durchlaufen sechs Stadien. Ab dem dritten Stadium
entwickeln sich Gifthaare, die das Eiweissgift Thaumetopoein enthalten.
Die Prozessionsspinner wandern im
Gänsemarsch
Den Namen Prozessionsspinner verdanken die Tiere ihrer Gewohnheit, in
der Nacht aus ihren Nestern in die Baumkrone zu "prozessieren" um sich
dort von den Blättern zu ernähren. Am Morgen kehren sie im "Gänsemarsch"
wieder in ihre Behausung zurück. Nach dem letzten Larvenstadium
verpuppen sich die Insekten und verlassen das Nest im Juli als
unscheinbare, graubraune Motten. Nach der Befruchtung legt das Weibchen
bis zu dreihundert Eier in einem Eigelege ab.
Nest
in den Bäumen
Eichenprozessionsspinnernest unter einem Hauptast einer befallenen Eiche
Prozession
Die Eichenspinner marschieren im "Gänsemarsch"
Die Giftpfeile machen Probleme
Ab der dritten Raupengeneration dieses
Kleinschmetterlings bilden die Tiere Gifthaare (sog. Setae) aus, die das
Eiweißgift Thaumetopoein enthalten. Dieses ist für die verschiedenen
Krankheitssymptome verantwortlich, die unter dem Begriff Lepidopterismus
zusammengefasst werden.
Die Raupen-, oder Larven-Periode dauert von April bis Mitte Juli. Daran
schließt die Puppenphase an. Während der Puppenruhe hält sich das Tier
in z.T. riesigen Seidennestern auf, die durch die eingewebten Setae vor
den natürlichen Feinden geschützt werden. Der Wind verträgt die Setae
und leeren Puppenhüllen auch in der Umgebung.
Besonders hervorzuheben ist, dass die Setae mehrere Jahre in der Umwelt
intakt bleiben und daher bei Wald-, Forst und Gartenarbeit aufgewirbelt
werden können.
Giftpfeilhagel im Vorübergehen
Da die Eichenprozessionsspinner nur auf der Suche nach einem neuen
Wirtsbaum am Boden anzutreffen sind, ist ein direkter Kontakt eher
selten. Davon sind meistens Kinder betroffen, die mit den scheinbar so
putzigen Tieren spielen wollen. Die wichtigste Übertragungsart ist die
Vertragung von Giftpfeilen mit dem Wind oder das Passieren befallener
Bäume. Dabei werden die Patienten von den Giftpfeilen wie von einem
Giftpfeilhagel getroffen. Unmittelbar nach dem Kontakt entwickelt sich
ein fast unerträglicher Juckreiz, dem ein Hautausschlag folgt. Die
Raupendermatitis kann sich in drei verschiedenen klinischen
Erscheinungsbildern zeigen: Kontakturtikaria (Quaddeln), toxische
irritative Dermatitis (Hautentzündung) oder anhaltende Papeln
(Knötchen), die an Insektenstichreaktionen erinnern.
Raupendermatitis
Am Arm finden sich mehrere, zum teil aufgekratzte, anhaltende Knötchen,
die an Insektenstichreaktionen erinnern.
Nicht nur Hautreaktionen sind die Folge
In den meisten Fällen kommt es nach dem Kontakt mit den verstreuten
Gifthaaren, Gifthaare-tragenden Larvenhüllen oder lebenden Raupen zu
einem heftig juckenden Ausschlag. Auch Allgemeinsymptome wie
Schwindelgefühl, Benommenheit, oder Fieber sind auf die Giftwirkung
zurückzuführen. Weiters kann es zu akuten Augenereizungen (Keratokonjunktivitis)
und einer Reizungen der oberen Atemwege (Rhinitis, Phyryngitis) kommen.
Beim Einatmen der Härchen entwickeln sich, besonders bei vorbelasteten
Personen, Anfälle von Atemnot.
Unangenehm aber meist harmlos
Die meisten Reaktionen, die durch die Gifthärchen von
Eichenprozessionsspinnern hervorgerufen werden, sind zwar unangenehm
aber flüchtig. Es wurde aber ein Fall einer allergischen Schockreaktion,
hervorgerufen durch Kontakt mit Eichenprozessionsspinnern aus den
Niederlanden berichtet. Schwere oder lebensbedrohliche Situationen
konnten wir bei unseren Untersuchungen nicht beobachten.
Wie sieht die Behandlung aus?
Bei den meisten Patienten genügt eine Behandlung mit externen
Steroidzubereitungen ("Kortison"; Salben, Cremen, Augentropfen) und
Tabletten, die gegen die Allergie wirken (Antihistaminika). Bei
Einschränkungen der Atmung (Asthma) können spezielle, die Bronchien
erweiternden Medikamente (ß-Mimetika) und Kortikoide durch Inhalation
angewandt werden. Personen mit einem überempfindlichen Bronchialsystem
sind besonders gefährdet. Die Einnahme von Kortikosteroiden ("Kortison")
ist nur bei sehr schweren Verlaufsformen erforderlich.
Vorbeugung
Viel schwieriger als die Behandlung der Krankheitssymptome ist deren
Vorbeugung. Dazu ist die Zusammenarbeit verschiedener Stellen
erforderlich. Sollten in einem Garten in einer Gegend mit
Eichenprozessionsspinnerbefall Eichenbäume stehen, empfiehlt sich eine
Inspektion durch einen Forstmann vor dem Schlüpfen der nächsten
Raupengeneration. Die Eigelege können dann mit Insektiziden bekämpft
werden. Nach dem Schlüpfen der Larven sollen die Nester so früh als
möglich mit Pestiziden, die die Häutung verhindern, besprüht werden.
Wege, die an befallenen Bäumen vorbeiführen, müssen abgesperrt werden.
Während der Puppenruhe werden die Nester mit einem Sprühkleber von außen
her "versiegelt", um die Vertragung der Gifthaare zu verhindern,
anschließend mechanisch entfernt und in einem geschlossenen
Verbrennungssystem vernichtet. Es empfiehlt sich, Spezialfirmen oder die
Wiener Berufsfeuerwehr mit dieser Aufgabe zu betrauen, da eine
Schutzbekleidung inklusive Atemschutzmaske erforderlich ist.
Tipps zur Vermeidung von Gesundheitsschäden finden Sie weiter
unten.
Noch sind viele Fragen offen
Die Erkrankungen durch Gifthaare der Eichenprozessionsspinner haben in
den Bezirken Wiens, die direkt an den Wiener Wald angrenzen, ein
epidemisches Ausmaß erreicht. Unter meiner Leitung hat sich daher eine
interdisziplinäre Arbeitsgruppe formiert, die sich mit den vielen
offenen Fragen um den Eichenprozessionsspinnerbefall und seine
gesundheitlichen Auswirkungen beschäftigt.

TIPPS ZUR
VERMEIDUNG VON GESUNDHEITSSCHÄDEN DURCH DEN EICHENPROZESSIONSSPINNER
Merkblatt zum Umgang mit dem Problem Eichprozessionsspinner
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