Presseschau
Artikel: Erste Hilfe für die geschundene
Seele (Stuttgarter Zeitung, 29.1.02)
In diesem Artikel geht der Autor auf die
besondere Situation der Berufgruppe der Autobahn- und Straßenwärter
ein, welche oft als erste an Unfallstellen eintreffen, um dort
Sicherungsmaßnahmen durchzuführen.
Es ist der Verdienst dieses Artikels, auf die
psychische Situation dieser meist unbeachteten Berufsgruppe
aufmerksam zu machen. Während mittlerweile das psychische
Traumapotenzial für Opfer und Helfer großer Katastrophen im
kollektiven Bewusstsein eingedrungen ist, bleiben ‚Alltagsopfer' oft
noch unberücksichtigt: Opfer von Autounfällen auf dem Weg zur Arbeit
oder eben Mitarbeiter von Straßenmeistereien. Auch hier beginnt
jedoch ein Umdenken; die gesetzliche Unfallversicherung leistet
immer häufiger einen wichtigen Beitrag, indem sie die Kosten für
traumaspezifische Psychotherapien übernimmt. Parallel dazu ist es
wichtig, dass beispielsweise Angehörige die Situation von
Betroffenen und deren erlebter Symptomatik verstehen und mittragen.
Hier gilt es noch Hemmschwellen zu überwinden, denn viele Menschen
sehen in einer psychischen Problematik eine Stigmatisierung. Nicht
die Betroffenen sind jedoch ‚verrückt', wie viele meinen, sondern
die Situation war es; die erlebte Symptomatik ist demnach eine
natürliche Reaktion auf die ungewöhnliche Situation.
Dipl.-Psych. Andreas Hammel
Psychotherapeut/Psychotraumatologie |