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  VERBAND DEUTSCHER STRASSENWÄRTER  


 

Kaspar Eigner

 

 

Vom Wegmacher zum Straßenwärter

Meine Kindheitserinnerungen reichen zurück in die Jahre nach dem zweiten Weltkrieg, in denen zur Winterzeit mit Pferden, je nach Schneehöhe, mit einem vier- bis sechsspännigen Holzschneepflug, der Schnee von der Fahrbahn geräumt wurde. Als ich 1955 beim Landkreis Hilpoltstein unter Landrat Dr. Engelhart eingestellt wurde, war so vieles ganz anders als heute. Unsere Arbeiten begannen vor der Haustüre, da die meisten Strecken in der Verantwortung der anwohnenden Straßenwärter waren.
1960:ein Mähtrupp an der Straße Heideck-Rudletzholz. Es war noch Handarbeit gefragtDie Arbeitsgeräte damals waren eine Schaufel, ein Besen, eine Wegmacherhaue und ein zweirädriger Schubkarren. Der Unterhalt der damaligen Schotterstraßen war sehr aufwendig, da Regen Wind Schnee schwerwiegende Schäden, vor allem große und gefährliche Schlaglöcher und Spülrinnen in der Fahrbahn verursachten. Besondere Schäden hatte die Verwendung eines Eisenradschuhs zur Folge, der als zusätzliche Bremse bei den Fuhrwerken, die mit Steinen oder Holz schwer beladen waren, angebracht wurde. Dieser riß oftmals eine tiefe Rille in die Gefällstrecke. Grob- und Feinschotter, der von unseren Wegmachern im Steinbruch Kaldorf mit einer Steinquetsche des Landkreises aufbereitet wurde war das Material für die erforderlichen Ausbesserungsarbeiten. Es war in kleinen Haufen am Straßenrand gelagert und wurde in die Schlaglöcher eingebaut,
1993: auch beim Mähen der Straßenränder hat die Maschine den Menschen verdrängtSehr wichtig für die Straßeninstandhaltung war das ständige überarbeiten der Wasserflossen und Gräben, damit keine größeren Ausspülungen auftreten konnten.Die Gräben wurden zur damaligen Zeit alle von Hand ausgehoben und ausputzt. Den Aushub nahmen die Bauern dankbar ab, da er eine gute Humusergänzung für die angrenzenden Felder war. Auch im Sommer wurde um das Mähgut, das als Viehfutter entlang der Bankette anfiel, fast gestritten. Vor allem die kleinen Landwirte waren auf dieses Zufutter angewiesen.
Samstagsarbeit war damals innerhalb der Ortschaften üblich, und wir verstanden es, die Straße vor den Höfen ganz besonders zu kehren, in denen gerade ein Schwein geschlachtet wurde. Somit wurden wir hin und wieder zu einer Metzelsuppe eingeladen. Das war jedesmal ein Fest und eine Willkommene Ablenkung.

Schneeräumen 1942: das halbe Dorf rückt aus, um die Straße bei Laibstadt freizuschaufelnIn schneereichen Wintern, die es damals öfters gab, hatten wir besonders mit den starken Verwehungen zu kämpfen. Nicht selten mußten Leute vom Dorf zu Hilfe geholt werden, um den liegengebliebenen Schneepflug  ein LKW - und das Milchauto freizuschaufeln. Die winterlichen Streckarbeiten wurden von der offenen, zugigen LKW-Ladefläche aus durchgeführt. Einer mußte mit einem Schlegel den gefrorenen Sand zerschlagen, ein anderer hatte den Sand zum Streuloch zu schaufeln und noch einer mußte im Streuloch stochern, damit der Streusand nicht zu klumpen zusammenfror. Denn damals war die Zumischung und Verwendung von Streusalz in unserem Bereich nicht gebräuchlich. Bei der eisigen Kälte haben wir oftmals das Gefühl in Fingern und Zehen verloren.Was hundert Hände nicht schaffen können, erledigt heute die Schneeschleuder.Schwierigkeiten verursachte auch der Dieseltreibstoff, weil er immer wieder einfror. Wir halfen uns, indem wir eine mit Diesel getränkte Putzwolle anzündeten und die eingefrorene Leitung und die Filter auftauten. Half das nichts, so wurde eine Schied Stroh unter dem Motor angezündet, um das Fahrzeug wieder flott zu machen. (Man stelle sich das bei den heutigen vielen Kunststoffleitungen vor)
Ein Weihnachtsgruß für die AutofahrerDer gute Fritz Maderholz aus Dannhausen hat zur Weihnachtszeit eine schöne Tradition angefangen, die bis heute weitergeführt wird. In der Adventszeit wurde eine nahe der Fahrbahn stehender Tannenbaum mit Kugeln und Leuchtzeichen festlich zur Freude der Verkehrsteilnehmer und Spaziergänger geschmückt. Solche und ähnliche Geschichten könnten Seiten füllen, aber ich will es hiermit belassen.

Von 1956 bis 1959 hat sich der Landkreis eine neue 10 Tonnen Hammer Walze angeschafft, die unter anderem auch die damals laufenden Flurbereinigungen ausgeliehen und vermietet wurde. Es war meine Aufgabe, diese Straßenwalze zu bedienen und so wuchs bei mir das Interesse am Straßenbau.  Ebenried war meine erste Station. An Waizenhofen kann ich mich ganz besonders erinnern, da ich dort tagtäglich bei einem anderen Bauern zum Essen eingeladen wurde. Oft bekam ich abends noch eine Brotzeit mit nach Hause, die damals meiner jungen Familie sehr zugute kam.

Frisch ausgebildete Straßenwärter bei der praktischen Prüfung in der SeiboldsmühleVon 1959 bis 1965 hatte ich die Verantwortung der Bauaufsicht beim Aus und Neubau verschiedener Kreisstraßen. Anschließend wurde im Altlandkreis Hilpoltstein mit dem Ausbau der Ortsstraßen in Eigenregie begonnen. Im Zuge der Gebietsreform und den damit verbundenen Eingemeindungsverträgen konnte ich über viele Jahre beim Ausbau von 41 Ortsdurchfahrten mitarbeiten, da von Seite des Landkreises eine Person abgestellt wurde, die die fachliche Leitung und Organisation der Straßenbauarbeiten übernahm. So entstanden in den 60-iger und 70-iger Jahren preisgünstige Gemeinde und Ortsstraßen. Gerne erinnere ich mich an diese Zeit zurück, und wenn ich heute durch die Dörfer fahre, finde ich noch viele Freunde aus dieser Zeit einer angenehmen Zusammenarbeit.
Die Sicherung dieses alten Straßensteins wurde nicht übersehenAls ich 1975 zur Leitung des Bauhofs Hilpoltstein berufen wurde, war es mit der Wegmacherei vorbei. Mittlerweile war das System des Straßenunterhalts geändert. Im Gegensatz zu früher, als jeder Wegmacher für ein Straßenteilstück zuständig war wurden jetzt zentral vom Bauhof aus verschiedene Arbeitsgruppen gebildet.Sie kümmerten sich um den Straßenunterhalt, die Grün-, die Bankett-, Baum und Heckenpflege sowie um den Neubau vorn Fahrradwegen.
Die Bautagebücher geben heute noch Aufschluß über meine Arbeiten bzw. die der verschiedenen Bautrupps. Jeder Tag und jede Tätigkeit ist darin aufgeführt.
Zur Verkehrssicherheit wurde ein Stramot (motorisierter Straßenwärter) eingesetzt, der jede Woche alle Kreis- bzw. Gemeindeverbindungsstraßen abfuhr, um nach dem Rechten zu sehen. Anfallende Arbeiten wurden soweit möglich an Ort und Stelle ausgeführt. Dazu gehörte z.B.das Erganzen der Leitpfähle, das Ausrichten und Ergänzen der Verkehrszeichen, das Abkehren von Fahrbahnverschmutzungen. Größere Schäden wurden dem Bauhofleiter gemeldet, der sich um eine umgehende Beseitigung kümmerte. In diesen Jahren galt meine ganz besondere Aufmerksamkeit der Verkehrssicherheit auf den mir anvertrauten Straßen, um Verkehrsunfälle so gering wie nur möglich zu halten. In kollegialer Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitern ist das auch gut gelungen.
1975 übernahm Kaspar Eigner die Leitung des Kreisbauhofs in HilpoltsteinBesonders dankbar bin ich, daß sich während der Zeit meiner Verantwortung im Bauhofbereich keine größeren Unfälle bei den Mitarbeitern ereignet haben.

Seit 1995 genieße ich meinen Ruhestand und blicke mit Freude und Zufriedenheit auf meine Zeit bei den Landkreisen Hilpoltstein und Roth zurück.
Wer am Wege baut hat viele Meister
 

 




 

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