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Kaspar Eigner
Vom
Wegmacher zum Straßenwärter
Meine
Kindheitserinnerungen reichen zurück in die Jahre nach dem zweiten
Weltkrieg, in denen zur Winterzeit mit Pferden, je nach Schneehöhe, mit
einem vier- bis sechsspännigen Holzschneepflug, der Schnee von der
Fahrbahn geräumt wurde. Als ich 1955 beim Landkreis Hilpoltstein unter
Landrat Dr. Engelhart eingestellt wurde, war so vieles ganz anders als
heute. Unsere Arbeiten begannen vor der Haustüre, da die meisten
Strecken in der Verantwortung der anwohnenden Straßenwärter waren.
Die
Arbeitsgeräte damals waren eine Schaufel, ein Besen, eine Wegmacherhaue
und ein zweirädriger Schubkarren. Der Unterhalt der damaligen
Schotterstraßen war sehr aufwendig, da Regen Wind Schnee schwerwiegende
Schäden, vor allem große und gefährliche Schlaglöcher und Spülrinnen in
der Fahrbahn verursachten. Besondere Schäden hatte die Verwendung eines
Eisenradschuhs zur Folge, der als zusätzliche Bremse bei den Fuhrwerken,
die mit Steinen oder Holz schwer beladen waren, angebracht wurde. Dieser
riß oftmals eine tiefe Rille in die Gefällstrecke. Grob- und
Feinschotter, der von unseren Wegmachern im Steinbruch Kaldorf mit einer
Steinquetsche des Landkreises aufbereitet wurde war das Material für die
erforderlichen Ausbesserungsarbeiten. Es war in kleinen Haufen am
Straßenrand gelagert und wurde in die Schlaglöcher eingebaut,
Sehr
wichtig für die Straßeninstandhaltung war das ständige überarbeiten der
Wasserflossen und Gräben, damit keine größeren Ausspülungen auftreten
konnten.Die Gräben wurden zur damaligen Zeit alle von Hand ausgehoben
und ausputzt. Den Aushub nahmen die Bauern dankbar ab, da er eine gute
Humusergänzung für die angrenzenden Felder war. Auch im Sommer wurde um
das Mähgut, das als Viehfutter entlang der Bankette anfiel, fast
gestritten. Vor allem die kleinen Landwirte waren auf dieses Zufutter
angewiesen.
Samstagsarbeit war damals
innerhalb der Ortschaften üblich, und wir verstanden es, die Straße vor
den Höfen ganz besonders zu kehren, in denen gerade ein Schwein
geschlachtet wurde. Somit wurden wir hin und wieder zu einer Metzelsuppe
eingeladen. Das war jedesmal ein Fest und eine Willkommene Ablenkung.
In
schneereichen Wintern, die es damals öfters gab, hatten wir besonders
mit den starken Verwehungen zu kämpfen. Nicht selten mußten Leute vom
Dorf zu Hilfe geholt werden, um den liegengebliebenen Schneepflug ein
LKW - und das Milchauto freizuschaufeln. Die winterlichen Streckarbeiten
wurden von der offenen, zugigen LKW-Ladefläche aus durchgeführt. Einer
mußte mit einem Schlegel den gefrorenen Sand zerschlagen, ein anderer
hatte den Sand zum Streuloch zu schaufeln und noch einer mußte im
Streuloch stochern, damit der Streusand nicht zu klumpen zusammenfror.
Denn damals war die Zumischung und Verwendung von Streusalz in unserem
Bereich nicht gebräuchlich. Bei der eisigen Kälte haben wir oftmals das
Gefühl in Fingern und Zehen verloren. Schwierigkeiten
verursachte auch der Dieseltreibstoff, weil er immer wieder einfror. Wir
halfen uns, indem wir eine mit Diesel getränkte Putzwolle anzündeten und
die eingefrorene Leitung und die Filter auftauten. Half das nichts, so
wurde eine Schied Stroh unter dem Motor angezündet, um das Fahrzeug
wieder flott zu machen. (Man stelle sich das bei den heutigen vielen
Kunststoffleitungen vor)
Der
gute Fritz Maderholz aus Dannhausen hat zur Weihnachtszeit eine schöne
Tradition angefangen, die bis heute weitergeführt wird. In der
Adventszeit wurde eine nahe der Fahrbahn stehender Tannenbaum mit Kugeln
und Leuchtzeichen festlich zur Freude der Verkehrsteilnehmer und
Spaziergänger geschmückt. Solche und ähnliche Geschichten könnten Seiten
füllen, aber ich will es hiermit belassen.
Von 1956 bis 1959 hat
sich der Landkreis eine neue 10 Tonnen Hammer Walze angeschafft, die
unter anderem auch die damals laufenden Flurbereinigungen ausgeliehen
und vermietet wurde. Es war meine Aufgabe, diese Straßenwalze zu
bedienen und so wuchs bei mir das Interesse am Straßenbau. Ebenried war
meine erste Station. An Waizenhofen kann ich mich ganz besonders
erinnern, da ich dort tagtäglich bei einem anderen Bauern zum Essen
eingeladen wurde. Oft bekam ich abends noch eine Brotzeit mit nach
Hause, die damals meiner jungen Familie sehr zugute kam.
Von
1959 bis 1965 hatte ich die Verantwortung der Bauaufsicht beim Aus und
Neubau verschiedener Kreisstraßen. Anschließend wurde im Altlandkreis
Hilpoltstein mit dem Ausbau der Ortsstraßen in Eigenregie begonnen. Im
Zuge der Gebietsreform und den damit verbundenen Eingemeindungsverträgen
konnte ich über viele Jahre beim Ausbau von 41 Ortsdurchfahrten
mitarbeiten, da von Seite des Landkreises eine Person abgestellt wurde,
die die fachliche Leitung und Organisation der Straßenbauarbeiten
übernahm. So entstanden in den 60-iger und 70-iger Jahren preisgünstige
Gemeinde und Ortsstraßen. Gerne erinnere ich mich an diese Zeit zurück,
und wenn ich heute durch die Dörfer fahre, finde ich noch viele Freunde
aus dieser Zeit einer angenehmen Zusammenarbeit.
Als
ich 1975 zur Leitung des Bauhofs Hilpoltstein berufen wurde, war es mit
der Wegmacherei vorbei. Mittlerweile war das System des
Straßenunterhalts geändert. Im Gegensatz zu früher, als jeder Wegmacher
für ein Straßenteilstück zuständig war wurden jetzt zentral vom Bauhof
aus verschiedene Arbeitsgruppen gebildet.Sie kümmerten sich um den
Straßenunterhalt, die Grün-, die Bankett-, Baum und Heckenpflege sowie
um den Neubau vorn Fahrradwegen.
Die Bautagebücher geben
heute noch Aufschluß über meine Arbeiten bzw. die der verschiedenen
Bautrupps. Jeder Tag und jede Tätigkeit ist darin aufgeführt.
Zur Verkehrssicherheit
wurde ein Stramot (motorisierter Straßenwärter) eingesetzt, der jede
Woche alle Kreis- bzw. Gemeindeverbindungsstraßen abfuhr, um nach dem
Rechten zu sehen. Anfallende Arbeiten wurden soweit möglich an Ort und
Stelle ausgeführt. Dazu gehörte z.B.das Erganzen der Leitpfähle, das
Ausrichten und Ergänzen der Verkehrszeichen, das Abkehren von
Fahrbahnverschmutzungen. Größere Schäden wurden dem Bauhofleiter
gemeldet, der sich um eine umgehende Beseitigung kümmerte. In diesen
Jahren galt meine ganz besondere Aufmerksamkeit der Verkehrssicherheit
auf den mir anvertrauten Straßen, um Verkehrsunfälle so gering wie nur
möglich zu halten. In kollegialer Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitern
ist das auch gut gelungen.
Besonders
dankbar bin ich, daß sich während der Zeit meiner Verantwortung im
Bauhofbereich keine größeren Unfälle bei den Mitarbeitern ereignet
haben.
Seit 1995 genieße ich
meinen Ruhestand und blicke mit Freude und Zufriedenheit auf meine Zeit
bei den Landkreisen Hilpoltstein und Roth zurück.
Wer am Wege
baut hat viele Meister
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