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Versteckte Botschaften bei Arbeitszeugnissen

 

Arbeitszeugnisse enthalten mehr Information als ein erster Blick zeigt. Den Code zu entschlüsseln ist dank Literatur und Internet möglich. Die Sache wird dadurch verkompliziert, dass - wie Vergleiche zeigen - Codes nicht uniform sind und nicht alle Personalchefs die gleichen Formulierungen benützen. Das "Zwischen die Zeilen-Lesen" kann auch zu Fehlinterpretationen führen. Versuchen Sie den Test!.

 

In den Arbeitszeugnissen gibt es gleichsam eine Geheimsprache. Oft ist die wahre Botschaft zwischen den Zeilen versteckt. Wir zeigen nachfolgend einige Beispiele, wie die Zeugnissprache unter Profis verstanden werden könnte:
"Sie erledigte die Aufgaben stets zu unserer Zufriedenheit." Oder: "Er arbeitet gut." Diese Formulierung entspricht nicht einer Hoechstnote. Es müsste lauten: "Wir waren mit den Leistungen von M.C. in jeder Hinsicht ausserordentlich zufrieden."
Falls im Zeugnis steht: "M.C. hat sein Bestes gegeben." Oder: "Sie hat sich bemüht, das Beste zu geben." Bei diesen Formulierungen dürften Sie zu Recht stutzig werden. Denn dies heisst: Obwohl die Person sich angestrengt hatte, kam wenig dabei heraus. Fehlt beim Verhalten eine besondere Ausdrucksstärke, so ist das Zeugnis ungenügend. "Im Umgang mit den Kunden und Mitarbeitern war M.C. stets freundlich und korrekt." Dies deutet darauf hin, dass sich M.C lediglich damit begnügt hat, korrekt zu sein. Erst wenn ein Punkt explizit hervorgehoben wird z.B. "zuvorkommend", "hilfsbereit", "vermittelnd" usw, so ist das Zeugnis hinsichtlich dieses besonderen Punktes ausgezeichnet. Steht beim Austrittsgrund nur: "Der Austritt erfolgt auf eigenen Wunsch." Dann heisst dies: Der Angestellte hinterlässt keine grosse Lücke. Sonst würde im Zeugnis noch stehen: "Wir bedauern den Weggang." Falls erwähnt wird, dass die scheidende Mitarbeiterin jederzeit wieder eingestellt würde, entspricht dies einer sehr guten Note. Fehlt der Austrittsgrund oder wird geschrieben, der Austritt erfolge im gegenseitigen Einvernehmen, so könnte dies auch heissen, der Angestellte sei gefeuert worden.

Hier ist ein Ausschnitt aus einem Dictionaire von www.industrie-job.de:

... hatte Gelegenheit alle wichtigen Aufgaben zu bearbeiten

... die Arbeitsergebnisse waren enttäuschend

... hat seine Aufgaben ordnungsgemäss erledigt

... arbeitet umständlich

.. ist tüchtig und weiß sich auch positiv darzustellen

... Wichtigtuer

... galt im Kollegenkreis als beliebter Mitarbeiter

... neigt mehr zu geselligen Verhaltensweisen

... bemühte sich allen Anforderungen gerecht zu werden

... Versager, auf der ganzen Linie

... fleißig, hat die ihm gemässen Aufgaben zuverlässig bearbeitet

... ist nur für leichte, anspruchslose Aufgaben geeignet

... das Verhalten zu den Mitarbeitern war stets einwandfrei

... mit den Vorgesetzten gab es Probleme



Bei ungeschickten Formulierungen geschieht dies nicht immer absichtlich. Viele Chefs haben die Zeugnissprache gar nicht gelernt. Angestellte haben keinen Anspruch auf ein sehr gutes Zeugnis, obwohl die Arbeitgeber angehalten werden, die Zeugnisse wohlwollend zu formulieren. Bei der Leistung und beim Verhalten sind übrigens negative Äusserungen zulässig. Was kann man gegen schlechte Zeugnisse tun? (Tip von Navigas AG).
Das Internet hilft bei der Übersetzungshilfe aus der Zeugnissprache. Zwei Beispiele: eine Zufriedenheitsskala aus www.industrie-job.de):

hat die übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt

Sehr gut

hat die übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt

Gut

hat die übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt

Befriedigend

hat die übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt

Ausreichend

hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden

Mangelhaft

oder eine Tabelle aus ksk-tuebingen.de :

(AL = Arbeitsleistung, AW = Arbeitsweise, V = Verhalten, S = Schlusssatz)

Sehr gut

AL: Die Arbeiten wurden stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt.
AW: Die Aufgaben wurden stets mit äusserster Sorgfalt und grösster Genauigkeit erledigt.
V: Das Verhalten zu Vorgesetzten und Mitarbeitern war stets vorbildlich.
S: Wir bedauern das Ausscheiden sehr und bedanken uns für stets sehr gute Leistungen.

Gut

AL: Die Arbeiten wurden zu unserer vollsten / stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.
AW: Die Aufgaben wurden stets mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
V: Das Verhalten zu Vorgesetzten und Mitarbeitern war vorbildlich.
S: Wir bedauern das Ausscheiden und bedanken uns für sehr gute Leistungen.

 

Befriedigend

AL: Die Arbeiten wurden zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.
AW: Die Aufgaben wurden stets mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
V: Das Verhalten zu Vorgesetzten und Mitarbeitern war gut.
S:Wir bedauern das Ausscheiden und danken für gute Leistungen.

 

Ausreichend

AL: Die Arbeiten wurden zu unserer Zufriedenheit erledigt.
AW: Die Aufgaben wurden mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
V: Das Verhalten zu Vorgesetzten und Mitarbeitern gab zu Beanstandungen keinen Anlass.
S: Wir danken für die Mitarbeit.

 

Mangelhaft

AL: Die Arbeiten wurden im grossen und ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt.
AW: Die Aufgaben wurden im allgemeinen mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
V: Das Verhalten war insgesamt angemessen
S: Wir danken für das Streben nach einer guten Leistung.

 

Ungenügend

AL: Er/sie hat sich bemüht, die Arbeit zu unserer Zufriedenheit zu erledigen.
AW: Er/sie bemühte sich, die Aufgaben sorgfältig zu erledigen.
V: Er/sie bemühte sich um ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen.
S: Wir danken bei dieser Gelegenheit.

 

Zusammenfassung

 

Für die Praxis sind folgende Grundsätze entwickelt worden, die bei Arbeitszeugnissen beachtet werden müssen:

GRUNDSATZ DES WOHLWOLLENS

Das Arbeitszeugnis soll dem Arbeitnehmer das wirtschaftliche Fortkommen erleichtern. Das Zeugnis muss deshalb von verständigem Wohlwollen geprägt sein. Die Grenze des Wohlwollens zieht sich an der Wahrheitspflicht.

GRUNDSATZ DER WAHRHEIT

Auf die Angaben des Arbeitszeugnisses muss man ich verlassen können. Die Informationen müssen deshalb stimmen.

 

 

 

 

GRUNDSATZ DER KLARHEIT

Die Aussagen müssen eindeutig sein. Das Zeugnis ist in klarer verständlicher Sprache abzufassen. Die Richtigkeit der Angaben sollten überprüfbar sein. Die Gerichte stellen hohe Anforderungen an die Klarheit und Unzweideutigkeiten der Angaben. Geheime Zeichen und Formulierungen (Geheimsprache) verstossen gegen den Grundsatz der Zeugnisklarheit und sind deshalb unzulässig.

GRUNDSATZ DER VOLLSTÄNDIGKEIT

Das Arbeitszeugnis muss alle notwendigen Angaben

  • zur Person (Identifikation)

  • den Beschreib der ganzen Tätigkeitsdauer und alle wesentlichen Tatsachen dieses Zeitabschnittes enthalten.

 

Wer ein Zeugnis ausstellt, muss sich stets bewusst bleiben: das Zeugnis ist auch eine Visitenkarte des Arbeitgebers!

Bewerbungen und Arbeitszeugnisse

Zwischen den Zeilen lesen

Das sind die wichtigsten Formulierungen für das Arbeitszeugnis

1. Beschreibung des Verhaltens und der Führung des Mitarbeiters

sehr gut

  • Gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern stets einwandfrei
  • Sein kollegiales Wesen sicherte ihm stets ein sehr gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und Mitarbeitern
  • Das aufgeschlossene und freundliche Wesen brachte gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern allseits Anerkennung und große Wertschätzung
  • Sein Verhalten zu Vorgesetzten, Arbeitskollegen, Mitarbeitern und Kunden war stets vorbildlich
  • Sein Verhalten zu Vorgesetzten, Arbeitskollegen und Kunden war stets einwandfrei
  • Er wurde von Vorgesetzten, Kollegen und Kunden als freundlicher und fleißiger Mitarbeiter geschätzt
     

gut

  • Sein kollegiales Wesen sicherte ihm stets ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und Mitarbeitern
  • Sein Verhalten zu Vorgesetzten, Arbeitskollegen, Mitarbeitern und Kunden war vorbildlich
  • Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden war einwandfrei
  • Sein Verhalten zu Vorgesetzten, Arbeitskollegen und Kunden war einwandfrei
     

befriedigend

  • Sein Verhalten zu Arbeitskollegen und Vorgesetzten war einwandfrei
  • Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen gab zu Klagen keinen Anlass
  • Sein Verhalten zu Mitarbeitern und Vorgesetzten war vorbildlich
    (Der Vorgesetzte wird erst an zweiter Stelle genannt, darum befriedigende Beurteilung)
  • Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war gut
     

ausreichend

  • Sein Verhalten zu Mitarbeitern war einwandfrei
  • Sein Verhalten zu Arbeitskollegen war kameradschaftlich und hilfsbereit, das zu seinen Vorgesetzten korrekt
  • Sein Verhalten zu Vorgesetzten war vorbildlich
  • Seine Führung gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern gab keinen Anlass zu Beanstandungen
  • Sein Verhalten zu Arbeitskollegen war kameradschaftlich und hilfsbereit, das zu seinen Vorgesetzten korrekt
     

mangelhaft

  • Sein persönliches Verhalten war insgesamt einwandfrei
  • Er wurde im Mitarbeiterkreis als umgänglicher Kollege geschätzt
  • Er galt als kollegialer und freundlicher Mitarbeiter
  • Sein persönliches Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war angemessen
     

ungenügend

  • Er galt als kollegialer und freundlicher Mitarbeiter
  • Er wurde im Mitarbeiterkreis als umgänglicher Kollege geschätzt
  • Sein persönliches Verhalten war insgesamt tadellos
  • Er war stets um ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten bemüht

     

2. Die Arbeitsleistung des Mitarbeiters

sehr gut

  • Seine Leistungen haben stets in jeder Hinsicht unsere vollste Anerkennung gefunden
  • Seine Leistungen waren stets sehr gut
  • Wir waren stets außerordentlich zufrieden
  • Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit
  • Er hat unsere Erwartungen in jeder Hinsicht und in allerbester Weise entsprochen
     

gut

  • Wir waren immer sehr zufrieden
  • Leistungen fanden stets volle Anerkennung
  • Mit den Leistungen voll und ganz zufrieden
  • Seine Leistungen haben unsere volle Anerkennung gefunden
  • Stets zu unserer vollen Zufriedenheit
  • Hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht entsprochen
     

befriedigend

  • Wir waren sehr zufrieden
  • Zu unserer vollen Zufriedenheit
  • Leistungen waren zufriedenstellend
  • Hat unseren Erwartungen entsprochen

ausreichend
 

  • Wir waren immer zufrieden
  • Zu unserer Zufriedenheit

mangelhaft

  • Wir waren zufrieden
  • Im großen und ganzen zu unserer Zufriedenheit
  • Hat die Erwartungen größtenteils erfüllt
  • Führte die übertragenen Aufgaben mit großem Fleiß und Interesse durch
  • War stets bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden


ungenügend

  • Wir waren zufrieden (hat sich bemüht)
  • Zu unserer Zufriedenheit (hat sich bemüht)
  • Keine Aussage

     

3. Allgemeine Aussagen zum Verhalten des Mitarbeiters

Formulierung:
„Für die Belange der Belegschaft bewies er Einfühlungsvermögen.“
Bedeutung: Er sucht sexuelle Kontakte im Betrieb.

Formulierung: „Er hat sich stets um gute Verbesserungsvorschläge bemüht.“ 
Bedeutung: Er ist ein Besserwisser, der seine Fachkenntnisse (soweit vorhanden) nicht in die Praxis umsetzen kann.

Formulierung: „Er hat alle Arbeiten ordnungsgemäß erledigt.“
Bedeutung: Er ist ein Bürokrat, Eigeninitiative ist ein Fremdwort.

Formulierung: „Im Kollegenkreis galt er als toleranter Mitarbeiter.“
Bedeutung: Mit seinen Vorgesetzten hatte er Probleme.

Formulierung: „Wir haben ihn als zuverlässigen Mitarbeiter kennen gelernt.“
Bedeutung:  Er war nicht sehr beliebt.

Formulierung: „Er war wegen seiner Pünktlichkeit ein gutes Vorbild.“ 
Bedeutung: Die Leistungen waren völlig unzureichend.

Formulierung: „Er war sehr tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.“
Bedeutung: Er ist ein unangenehmer Mitarbeiter.

Formulierung: „Wir haben uns im gegenseitigem Einvernehmen (Einverständnis) getrennt.“
Bedeutung: Wir haben ihm gekündigt.

Formulierung: „Mit seinen Vorgesetzten ist er gut zurechtgekommen.“
Bedeutung: Er ist ein Mitläufer, der sich gut anpasst.

Formulierung: „Er zeigte für seine Arbeit Verständnis.“
Bedeutung: Er war faul und hat nichts geleistet.

Formulierung: „Er bemühte sich, den Anforderungen gerecht zu werden.“
Bedeutung: Er hat versagt.

Formulierung: „Er war immer mit Interesse bei der Sache.“
Bedeutung: Er hat sich angestrengt, aber nichts geleistet.

Formulierung: „Er hat sich mit großem Eifer an diese Aufgabe herangemacht und war erfolgreich.“
Bedeutung: mangelhafte Leistung.

Formulierung: „Wir lernten ihn als umgänglichen Kollegen kennen.“
Bedeutung: Viele Mitarbeiter sahen ihn lieber von hinten als von vorn.
 

 

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